Abschied von der EC-Karte

EC-Logo

Don’t call me „EC-Karte“, Baby. Die Markenrechte gehören Mastercard.

The Long Goodbye – oder manche Dinge bekommt man nicht aus dem Kopf. Tilly zum Beispiel. Ältere Semester kennen das noch: „Sie baden gerade Ihre Hände drin“, wusste die unvergessene Palmolive-Tante Tilly ihre Kundin zu überraschen.

Nach ähnlichem Muster funktioniert offenbar die Radio-Werbung für die Girocard, die nun endlich nicht mehr EC-Karte genannt werden möchte – aus gutem oder aber aus dringlichem Grund.

tl;dr: Warum die DK für Werbung für die Girocard macht und was das mit der Anwendungsauswahl und Mastercard zu tun hat.

Der Kommentator „Helge“ unter diesem Beitrag machte mich auf die Radiowerbung aufmerksam, die die Euro Kartensysteme GmbH (EKS) derzeit für die Girocard schaltet. Ich zitiere aus seiner Zusammenfassung:

Kunde: Ich möchte gerne mit Karte zahlen.
Händler: Mit Ihrer Girocard?
Kunde: Mit meiner EC-Karte.
Händler: Also mit Ihrer Girocard!
Kunde: Nein, mit meiner EC Karte.
Händler: Doch, gucken sie mal hier. Da ist doch ein Girocard Symbol auf Ihrer Karte. (Anmerk. d. Verf.: Sie baden gerade…)
Kunde: Oh, tatsächlich. OK, dann zahle ich mit meiner Girocard.

Sprecher: EC heißt Girocard! Praktisch, sicher gut,…

Ingo Limburg, Leiter Marketing & PR für die Zahlungssysteme der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), bestätigte per Twitter, dass die Spots aktuell auf SWR3, HR 1-4, youFM, Planet Radio, RadioBOB laufen, in insgesamt vier verschiedenen Varianten. „Bislang ist das Feedback sehr gut“, so der Marketing-Verantwortliche.

Wie heißt die EC-Karte nochmal richtig?

Girocard: Wie heißt die EC-Karte noch mal richtig? (Foto: EKS)

Zudem lädt die EKS alsbald zu einer Pressekonferenz ein, in der Kassel zur „Girocard-City“, quasi dem Schmelztigel der Zukunft des bargeldlosen Bezahlens, ernannt werden soll.

Seit 2007 will die EC-Karte „Girocard“ heißen, man fragt sich, warum die DK jetzt auf einmal Geld dafür in die Hand nimmt, damit auch der Karteninhaber mal erfährt, wie seine Karte wirklich heißt. Bisher ignorierten das allenfalls Payment-Nerds und Kartenfreaks.

Mastercard besitzt die Markenrechte

Wenn man sich vor Augen hält und nachrecherchiert, worauf ein zweiter Kommentartor unter dem Tap,Tap,Tap-Blogpost hinweist, dann dämmert es einem langsam. Die Rechte für insgesamt 15 verschiedene Wort- und Bildmarken rund um das Kürzel „EC“, teils noch mit „eurocheque“ verbunden, besitzt seit März 1988 ein Unternehmen namens Mastercard mit Sitz in Waterloo.

Die Schutzrechte wurden auch immer schön verlängert und gelten zumeist bis ins Jahr 2018. Autsch! Das waren noch Zeiten als Mastercard, Eurocard, GZS, EKS und ZKA alle in einem Boot saßen. Ich war nicht dabei und kenne das nur vom Hören-Sagen, aber die besagten älteren Semester zitieren noch den Spruch: „Konkurrenz belebt das Geschäft. Keine Konkurrenz belebt das Geschäft noch mehr.“

Nun wissen nicht nur die stets gut informierten Leser von BargeldlosBlog, dass ab dem 9. Juni 2016 die nach der MIF-Verordnung (Art. 8) vorgeschriebene Anwendungsauswahl (AppelSel) greift. Der Kunde soll an der Kasse die Wahl haben, welches Zahlverfahren von seiner Karten zur Anwendung kommt (zB: Girocard, Maestro/V-Pay oder EuroELV). Höchste Zeit also für die Deutsche Kreditwirtschaft, ihre Girocard bekannt zu machen. Der Name „Maestro“ besitzt Marktforschern zufolge keine allzu schlechte Verkehrsdurchsetzung. Werte von denen die Girocard bislang jedenfalls nur träumen kann. Die Co-Branding-Konkurrenz auf der eigenen Bankkarte schläft also nicht – im Gegenteil.

Krieg auf der EC-Karte

Was daraus folgt, könnten man etwas aufgesext auch als „Krieg auf der EC-Karte“ betiteln. Eine siebenstellige Anzahl von Girocards soll Bankenkreisen zufolge bereits ohne Co-Branding im Umlauf sein. Der Gegner fliegt von der Karte. Nicht immer zur Freude des Kunden, der im Ausland dann mitunter auf die Kreditkarte und/oder Bargeld angewiesen ist. Allzu viele Bankkunden trifft das aber nicht. Zudem werden neue Allianzen geschmiedet: JCB und die DK gehen die neue Co-Branding-Kooperation mit der Girocard sicher nicht nur so zum Spaß ein.

Will man in diesen harten Zeiten des aufkeimenden Wettbewerbs und des regulierten Interbankenentgelts von einem Markeninhaber abhängig sein, der eine eigene Agenda hat und ganz eigene Vorstellungen von einer diskriminierungsfreien Anwendungsauswahl? Wohl kaum. Lieber nimmt die DK Geld in die Hand, um ihre Girocard bekannt zu machen, damit der Kunde – im Ernstfall künftig vor die Wahl gestellt – auch auf das richtige Logo drückt.

Interessant wird, was der Handel macht, um sein ELV-Verfahren nach vorne zu bringen und wie die Geschichte um AppelSel ausgeht – alle Verfahren auf den ersten Blick oder die Händlerauswahl als Voreinstellung.

Disclaimer: Alles nur faktenfreie Mutmaßungen und wilde Spekulationen, eben unqualifizierte und unerfahrene Unkenrufe, wie es das Motto dieses Blogs ist. Ich lasse mich gerne eines Bessern belehren und aufklären. Gerne in den Kommentaren. 🙂

14 Gedanken zu „Abschied von der EC-Karte

  1. Verdient die dt. Kreditwirtschaft an Maestro weniger als an der Girocard? Dachte es betrifft hauptsächlich den Händler.

    • Der Händler zahlt im Regelfall höhere Gebühren für eine Maestro-Trx. Die kartenausgebende Bank zahlt Lizenzgebühren an Mastercard. Ein zusätzlicher Player in der Wertschöpfungskette verursacht zusätzliche Kosten.

  2. Gibt es eigentlich einen vernünftigen Grund warum girocard nicht auf ein System umstellt, bei dem die PAN keinen Rückschluss mehr auf die Kontodaten zulässt?
    Damit wäre man doch mit ELV den größten Konkurrenten, an dem auch noch am wenigsten verdient ist, auf einen Schlag los.

  3. Für den Händler ist es prinzipiell egal, ob als Debitkarte eine Girocard, Maestro oder V-Pay angenommen wird. Die Kosten müssten/sollten die Gleichen sein.
    Für die Banken macht es aber einen Unterschied: Bleiben bei Girocard quasi 100% der Wertschöpfung bei ihnen selbst, treten sie bei Maestro oder V-Pay einen grossen Teil, wenn nicht gar alles, an die „Schemes“ MasterCard oder Visa ab.
    Das genau ist der Grund, warum die DK so hinterher ist.

  4. Mit der EU-Regulation sollten ab Juni afaik auch die Cobranding-Restriktionen entfallen und z. B. girocard+Visa Debit zulässig sein. Mal sehen, ob das Banken machen. Bisher haben viele Direktbanken das ja auf 2 Karten ausgegeben.

    Vielleicht wird die Regulierung ja auch endlich der Todesstoß für die girocard…

  5. Pingback: » Kassel wird Testregion für neue girocard-Produkte

  6. Im letzten Sommer hat EURO Kartensysteme eine Studie zur Bekanntheit des Namens „Girocard“ bei der GfK in Auftrag gegeben:

    http://www.girocard.eu//files/gfk-studie_juli_2015_bekanntheit_girocard_in_deutschland.pdf

    Das Ergebnis ist, nun ja, so ausgefallen, dass eine Brand-Building-Kampagne definitiv angeraten scheint. Immerhin kennen 84 % der Deutschen den Namen „Girocard“ – gar nicht schlecht. Aber dummerweise glauben 55 %, es wäre ganz was anderes als die ec-Karte.

  7. Was genau ist eigentlich diese Girocard-City?

    Wenn ich das richtig verstehe, werden da nur Sachen getestet, die es bei Mastercard und Visa schon 10 Jahre früher gab?

  8. kein Wunder wenn das Volk verdummt wird ….
    Ich sehe gerade auf der Webseite der Postbank unter
    https://www.postbank.de/privatkunden/pk_vpay.html
    dass das Girocard Zeichen mit folgenden Kommentar ersetzt wird:
    „Ersetzt das alte ec-Zeichen und ist das Symbol für die Nutzung der Geldautomaten und das Bezahlen im Handel mit PIN (chipbasiert).“
    Naja, ersetzen ja aber ….
    Aber es wird noch bunter im Verlauf der weiteren Zeichenerklärungen … da frage ich mich ob die Banken (bzw. deren Angestellte) das selber noch begreifen.

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