Paydirekt legt Fehlstart hin

Paydirekt will ein PayPal-Konkurrent werden.

Paydirekt will ein PayPal-Konkurrent werden.

Willkommen Paydirekt! Heute startet der Pilot des sagenumwobenen Bezahlsystems Paydirekt, mit dem die deutsche Kreditwirtschaft PayPal Paroli bieten will. Beim Online-Einrichtungshaus d-living aus der Bünting* Unternehmensgruppe soll Paydirekt heute live gehen.

d-living, nie gehört? Macht nichts, ist zunächst nur ein „Family & Friends“-Test für einen „kleinen Kreis der Projektmitarbeiter als Käufer“.

Aber zum „Betriebsstart“ am 3. November 2015 geht es dann richtig los – mit 18 weiteren Händler. Bis zum Jahresende sollen dann noch mal – halt mich fest – sieben Shop-Aufschaltungen folgen. Neun zusätzliche Test-Kanditaten aus der Händlerschaft wollen sich ab Anfang 2016 beteiligen. Wow!

Dies alles geht aus der Präsentation zum „Spitzengespräch interoperable Verfahren für Internet- und mobile Bezahlungen“ hervor, das am 17. Juni stattfand. An dem Gespräch nahmen rund 20 Top-Bänker aller Institutsgruppen teil. Die Präsentation trägt den schönen Vermerk „streng vertraulich“ und liegt BargeldlosBlog vor.

Am gestrigen Sonntag schrieb das Handelsblatt über Paydirekt und den „Stotterstart der Sparkassen“, die sich erst spät für das Gemeinschaftsprojekt erwärmen konnten und nun hinterher hinken (siehe auch S. 6 der Präsentation zum „Spitzengespräch“). Dem HB dürfte die Präsentation ebenfalls vorliegen, es macht seit einigen Wochen Artikel zu Paydirekt daraus. Häppchenweise.

Die Wirtschaftswoche schrieb vergangene Woche unter dem Titel „Händler lehnen Online-Zahlsystem deutscher Banken ab“ über eine selbstgemachte und daher auch „exklusive“ Umfrage unter Onlinehändlern. Tenor: Paydirekt braucht kein Mensch. Das war etwas gemein, denn Händler haben natürlich keinen Bedarf für eine weitere ePayment-Option. Wenn aber der Kunde Paydirekt nutzen will und die Konditionen aus Handelssicht stimmen, dann wird der Handel das Verfahren auch flugs in seinen Check Out-Prozess integrieren.

Merke: Keine Pressearbeit heißt nicht, keine Berichte

Das Beispiel zeigt aber eines sehr schön. Wenn man Journalisten keine Informationen gibt, heißt das noch lange nicht, dass deshalb nichts geschrieben wird. Nur kleine Kinder (und mancher Vorstandsvorsitzende) glauben, dass sie unsichtbar sind, wenn sie sich die Augen zuhalten.

Zehn Monate hat die „High-Level-Projektplanung“ von Paydirekt an der „Markenstrategie“ gefeilt. Seit August 2014 ist man in der Phase „Kampagnenplanung und -umsetzung“, wie aus der Präsentation hervorgeht. Wenn das alles schon so holprig und unprofessionell startet, dann fürchte ich, dass hier ein weiterer millionenschwerer Rohrkrepierer auf den Payment-Markt geschickt wird.

Liebe DK, wir müssen reden, bevor Euer PR-Konzept plangemäß die Stufe IV „Themenführerschaft für alles rund ums digitale Zahlen“ (S. 7) erreicht. Ihr habt in Eurem „dreistufigen PR-Konzept“ nämlich unter anderen BargeldlosBlog vergessen und ich pressefrühstücke doch so gern.

PaydirektBitte nicht falsch verstehen, liebe Paydirekt-Projektler: Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass sich zahlreiche Onlinehändler nach einer kostengünstigen, serviceorientierten, sichern, stabilen und weit verbreiteten PayPal-Alternative sehnen. Für ein gutes Produkt gibt es Platz und Bedarf im Markt. Die Erfahrungen mit Giropay und Girogo sowie die Präsentationen, die so kursieren, lassen aber nichts Gutes erahnen. Ich fürchte Ihr seht vor lauter Hierarchieebenen, Gremien und Verbandspolitik die Kunden nicht mehr und den Markt nur unscharf. Als erstes ändern wir daher am besten gleich mal die Pressearbeit, die funktioniert nämlich heute ganz anders. Wer da noch zum Frühstücken Zeit hat, wird verfrühstückt 🙂

P.S.: Liebe Volks- und Raiffeisenbanken, ihr seid so niedlich, man will Euch drücken. Ich hab was übrig für Genossenschaften. Und ihr ward das dezentrale Bollwerk der Stabilität in der Bankenkrise 2008/9. Ich mag Euch. Aber, es ist ein wenig unheimlich, wenn die Interviews mit denen Ihr Euren Kunden Paydirekt erklären wollt, geklont werden. Das ist keine persönliche Kundenansprache, das ist nur Copy&Paste und fällt im Google-Zeitalter schnell auf. Nicht wahr, Herr Heilmann (VR Erlangen) oder nicht, Frau Maschmann (VR Storman), sagen sie doch auch Herr Brehm (VR Forchheim) und Herr Neumann. Aber immerhin findet man bei Euch schon mal etwas. Ihr seid ganz weit vorn. PayPal, Apple und Alphabet können einpacken.

* Wenn man auch vom „d-living“-Shop noch nichts gehört haben muss, was die Bünting-Gruppe im Internet so treibt, ist ziemlich spannend. Mit MyTime.de bieten die Norddeutschen einen bundesweit aktiven Lebensmittel-Onlinehandel. Zudem kooperiert Bünting als Lieferant von Lebensmitteln mit Amazon und arbeitet mit Chefkoch.de („Zutaten liefern lassen“) zusammen.

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11 Gedanken zu “Paydirekt legt Fehlstart hin

  1. Alter, ganz ehrlich, wenn ich das lese bekomme ich Brechreiz. Du glaubst in dem Bereich ein Checker de Luxe zu sein und hast von Tuten und Blasen keine Ahnung. Weil es gerade in ist auf den Banken rumzuhacken kleben Dir wahrscheinlich weitere Nixblicker an den Lippen.
    Schon alleine wegen den Kosten und dem Datenschutzthema wird payDirekt den Markt verändern (ich will bewusst nicht sagen aufmischen – aber vielleicht auch das).
    Ja, die Banken in Deutschland kommen 10 Jahre zu spät. Aber sie kommen. In den Niederlanden haben die Banken ein ähnliches System vor 10 Jahren aufgebaut und paypal hat dort KEINEN Marktanteil.

    Bei Paydirekt zahlt mal gerade mal die halben Kosten wie bei Paypal und paypal kann hier auch in keinen Preiskampf gehen, da der Preis der bei payDirekt angesetzt wird bei paypal schon die Zahlungsausfallquote ist. Bei payDirekt wird dies nicht der Fall sein da Zahlungen direkt am Konto disponiert werden.

    Und das Geschrei in Deutschland ist doch so groß wegen der Datensicherheit. Bei payDirekt bleiben die Daten da wo sie hingehören, bei der Bank. Du weißt wahrscheinlich nicht mal dass jeder Händler bei paypal mit den AGB unterschreibt dass paypal die Daten der Käufer weiterverkaufen darf.

    Wie heißt es so schön – „Unwissenheit schützt vor Strage nicht…“ – Blindheit auch nicht. Gut dass Du anscheinend zu dem Thema unwissend und blind bist und einfach zur Blödsinn laberst

    • Ok, wer austeilt sollte auch einstecken können. Insofern nehme ich den Brechreiz mal nicht persönlich, „Alter“.
      Zum Thema Kosten blogge ich beizeiten mal etwas, Arbeitstitel „Paydirekts Pricing Problem“. Was man da so bislang hört und auf besagten Präsentationen sieht, lockt wohl bislang kaum einen Händler (und auch keine Airline) hinter dem Ofen hervor, oder? Offen kommuniziert wird ja nicht. Das Kartellamt macht den Banken das Pricing freilich auch nicht gerade leicht. Fakt ist: Das wird eine Hürde und scheint bis dato aus Händlersicht nicht wirklich (Sofort) konkurrenzfähig zu sein.
      Zum Thema Datenschutz: Ich glaube nicht, dass dies für Kunden wirklich eine große Rolle spielt. Zwar betont jeder auf Nachfrage, wie wichtig ihm Datenschutz ist – und postet dann bei Facebook Bildchen oder vertraut PIN und TAN der Konkurrenz an. Ein Argument, das IMHO eher auf Power-Point-Präsentationen in Banktürmen zieht.
      Im Übrigen steht hier sehr genau, was in den PayPal-AGB beim Thema „Daten an Dritte“ geht (Nr. 6). Das lässt viel zu, taugt aber nicht zum Bange machen oder Schauermärchen erzählen.
      Zu iDEAL: Richtig, die Banken in den Niederlanden haben 2005 mit iDEAL angefangen. 2005 da erzählte noch jeder „E-Commerce funktioniert nur bei Büchern und CDs, aber nicht bei Schuhen und Klammotten. Anprobieren wollen die Leute im Laden“. Seit 2005 hat sich der Onlinehandel 15mal neu erfunden und zB mobilisiert. Darüber hinaus gibt es in den Niederlanden auch nicht wie hierzulande mehr als 2.000 Banken in drei Institutsgruppen (auch nicht im eps-Land Österreich). Der Vergleich ist also ambitioniert.
      Ich gönne und wünsche Paydirekt den Erfolg, das hatte ich eigentlich auch versucht, deutlich zu machen. Allein mir fehlt bislang der Glaube – auch wegen der Erfahrungen mit Girogo und Giropay sowie einem bankunabhängigen, jüngeren Versuch mit viel Geld und Willen, ein Payment-Verfahren aus dem Nichts zu starten. Auch da sah man das Thema „Datenschutz“ und „Kosten“ als die großen Pfunde an, mit denen man wuchern wollte. Vielleicht haben die Banken aber tatsächlich (immer noch) den großen Vertrauensvorschuss beim Kunden und der Handel muss oder will am Ende mitziehen und Henne und Ei finden glücklich zueinander. Ich bin gespannt und lasse mich gern eines Besseren belehren. Aber bitte nur „de Luxe“! 🙂

  2. Guten Tag,

    ganz nach dem Motto „konstruktive Kritik führt meistens zu Verbesserung“ habe ich am Artikel nichts auszusetzen.

    Ich als Bank-Mitarbeiter glaube, dass der Antritt und der eingeschlagene Weg richtig und auch wichtig ist. Aber: Ich tue mich schwer daran zu glauben, dass das ganze ein Erfolg wird. Denn: Zu viele unterschiedliche Interessen, viele Verbände, viele Hierarchieebenen etc., gepaart mit (aus meiner Sicht) zu wenig Kundensicht.

    Ich wünsche PayDirekt alles gute, es wird sicher nicht einfach! Vieles hängt davon ab, ob die Banken die Kunden und Händler wirklich überzeugen können.

  3. Man kann den Eindruck gewinnen, paydirekt möchte keine Händler haben!

    Ich habe 3 unserer „Hausbanken“ per E-Mail angefragt. Das Ergebnis ist gleich Null.

    – Consorsbank: möchte keine Händler, nur Privatpersonen (wer soll das Verstehen?)
    – Comdirect: man solle sich doch an paydirekt wenden
    – Hypovereinsbank: Antwort war sehr allgemein und ein Link zu paydirekt

    Auch die Hotline von paydirekt war nicht in der Lage Fragen zu beantworten. Zuerst sollte ich doch bitte den 15 Seiten Händler Antrag ausfüllen. Und das geht nicht einmal mit dem Computer, sondern ausdrucken und mit einem Stift ausfüllen.

    Wie ist dann erst der Support, wenn problem auftauchen. Ich möchte nicht daran denken liebe Banker.

    Somit habe ich nach mehreren Tagen keine genauen Informationen und keine Konditionen.

    • Wenn ich als Händler zu einer Bank gehe, die nur Privatkundengeschäft macht, muss ich mich aber auch nicht wundern, dass die keine Firmenkundenangebote für paydirekt haben, oder?
      Ich gehe ja auch nicht zu einem Spezialinstitut für Firmenkunden (Factorer oder was) und beschwere mich, dass die keine Privatkundengirokonten anbieten?

      Haben Sie da bloss nicht nachgedacht, oder wollten Sie bewusst trollen, um dann über die doofen Banken zu schimpfen?

      • Jaja die anonymen Schreiber, sich eine einzelne Sache aus dem Kontext rauspicken und dann angreifen, das ist schon fundiert!

        Die von mir angeführten Banken sind nun mal alle auf der Website von paydirekt aufgeführt. Ob für Händler oder Kunden steht dort nicht! Und ich bin kein Hellseher.

        Eine konkrete Antwort und Konditionen habe ich übrigens bis heute nicht erhalten. Im Online-Zeitalter ein no-go.

        Selbst ein Telefonat mit paydirekt änderte daran nichts.

        Vor zwei Wochen waren bei paydirekt 5 Händler namentlich gelistet. Mit dem Slogan „Und es werden täglich mehr“. Heute sind es immer noch 5!

        Das ist Expansion Made in Germany (sorry by paydirekt) – und ich will nicht trollen, nicht über Banken schimpfen und ich habe nachgedacht.

        • Hänge mich mal an den Beitrag vom November…

          Kann mich nur anschließen, nicht so einfach bei einer der Banken (für Geschäftskunden) die Konditionen zu erfahren. Habe auch mit 3 Banken (andere als Peters) Kontakt aufgenommen, bis jetzt ohne Erfolg. Die meisten Berater wissen nicht Bescheid, es wird „noch nicht“ angeboten oder es soll lange Verhandelt werden. Da ist PayPal noch ein Stück „einfacher“.

          Hat jemand eine Hausbank die da schnell und hilfreich war? Oder kennt jemand einen PSP der zu guten Konditionen paydirekt-Unterstützung anbietet?

  4. Pingback: Dienstag 17.11.15 | Mainboarder

    • Hällte ich nicht mit gerechnet, danke für den Tipp!

      Die Targobank hat gar keinen ausgeprägten Geschäftskundenbereich…

      Werde Montag mal nachfragen.

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