Paydirekt: Preise und Probleme

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Paydirekt: Was soll es kosten? Wo hapert es noch? (Foto: Paydirekt)

Ab April starten nun also auch die Sparkassen mit Paydirekt. Laut Geschäftsführer Niklas Bartelt sollen bei dem Internetzahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft bereits 220.000 Nutzer registriert sein. Doch lediglich 26 Webshops bieten diese Bezahlmethode bisher an, die meisten davon wurden von ein und demselben Fulfillment-Dienstleister Office Direkt angebunden. D-Living, Paydirekt-Partner der ersten Stunde, gibt es nicht mehr. Die Bünting-Gruppe stellte das Online-Einrichtungshaus kurzerhand ein.

Was muss passieren, damit Paydirekt ein Erfolg wird? Das möchte BargeldlosBlog von Onlinehändlern erfahren. Welches Pricing wäre attraktiv, welche Probleme müssen behoben werden, um PayPal & Co. wirklich ernsthaft oder zumindest ein kleines bisschen Konkurrenz zu machen?

Ein realistisches Niveau für die Händlergebühren von Paydirekt hat Jochen Siegert, Payment-Experte der alten und neuen Schule, in einem lesenswerten Artikel auf Bank-Blog umrissen. Zitat:

„… Zieht man die öffentlich getätigte Aussage des Metro-Konzerns heran, so ist das neue Entgeltmodell der Kreditkartenakzeptanz der Benchmark. Paydirekt hat in diesem Kontext eine deutliche Chance, wenn es für die wichtigsten und größten Händler inkl. sämtlicher Gebühren maximal 0,3-0,4% kostet. Bei Gesamtkosten bis 0,5% ist es gleich mit der Karte, darüber als neues Verfahren nur wenig attraktiv.“

Mehr muss zum Thema Gebühren nicht gesagt werden, zumindest nicht in Bezug auf die Top50-Webshops, von denen Paydirekt nach Ansage der Geschäftsführung bis zum Jahresende die Hälfte als Kunden gewinnen will.

Welche Preise werden aber tatsächlich von den Banken aufgerufen – durch die Bank weg? Wie sieht es mit Kosten für Schnittstellen zum Shopsystem und die Integration aus? Welche Erfahrungen haben Sie als Händler mit Support und Service gemacht? Wie sieht es mit Kosten für Rückbuchung etc. aus? Welche Erfahrungen machen PSP oder Sie mit PSP? (BTW: Laut IT-Finanzmagazin wird Payone aus der Sparkassenorganisation der erste PSP, der die Paydirekt-Anbindung bereitstellt.)

Ich erhalte viele Zuschriften von Händlern, die nach Ansprechpartnern zu Paydirekt suchen (siehe auch die Kommentare zu diesem Beitrag). Wen können Sie empfehlen?

Senden Sie Konditionsangebote und Kritik an BargeldlosBlog

Helfen Sie mit, Paydirekt marktfähig zu machen und schreiben Sie Ihre Verbesserungsvorschläge und Erfahrungen an BargeldlosBlog (at) Gmail (Punkt) com. BargeldlosBlog sammelt anonym und vertraulich Konditionen und Kritik. Nennen Sie nach Möglichkeit Ihr Shopsystem, Sortiment und natürlich gerne Umsatz- und Transaktionsvolumen sowie präferierte Zahlungsmethoden.

Auf diese Weise lässt sich die Konditionen-Transparenz schaffen, die die Kreditwirtschaft bei Paydirekt bislang verweigert, weil angeblich das Kartellrecht die Nennung von Preise verbietet. Das ist freilich grober Unfug und eine müde Schutzbehauptung, um Preise zu verschleiern. Das Kartellamt verbietet keine Preistransparenz. Der EC-Cash-Netzbetreiber der Genossenschaftsbanken, CardProcess, durfte beispielsweise seine Einkaufskonditionen für Girocard-Gebühren bei sämtlichen Bankkonzentratoren veröffentlichen, ohne Ärger mit Wettbewerbern den Wettbewerbshütern zu bekommen. Ebenso könnte es Paydirekt handhaben.

Im Falle des Online-Zahlungsverfahrens der Deutschen Kreditwirtschaft hätte das Kartellamt angesichts des gesunden Wettbewerbs im ePayment möglicherweise sogar eine Preisvereinbarung der beteiligen Banken zum Marktstart akzeptiert, wie im „Update“ zu diesem Beitrag erläutert. Die Chance haben die damals aktiven Banken aber erst gar nicht gesucht.

Helfen Sie also mit, Paydirekt zu einer echten PayPal-Alternative aufzubauen und tragen Sie mit einer kurzen Feedback-Mail oder einem Kommentar-Eintrag zur Verbesserung des zarten Payment-Pflänzchens bei. Ohne Händler wird ein Zahlungsverfahren kein Erfolg.

Besten Dank im Voraus. Das Ergebnis dieses kleinen Markttests lesen Sie dann hier auf BargeldlosBlog.

Preisfrage: Wo wird Paydirekt in dieser Tabelle landen?

Wo landet Paydirekt in dieser Tabelle? (Quelle: ibi research)

(Quelle: ibi research; Erhebung vor MIF-Regulierung!)

Goodie zum Schluss: Ein interessanter Artikel zum technischen Dienstleistern hinter Paydirekt der Senacor Technologies AG und der IT-Architektur des Zahlverfahrens findet sich hier bei der Computerwoche.

Update: Mir flatterte mal wieder eine nette Vorstandspräsentation auf den Tisch: „Fokusthema Händler“, Vermerk „Streng vertraulich“. Darin wird dargelegt, wie die Paydirekt-Banken die „Top 50 Zielhändler“ erobern wollen und wo die „Derzeitigen Herausforderungen“ für das Onlinezahlverfahren gesehen werden. Darüber blogge ich aber erst, wenn mir genügend Resonanz aus der Onlinehändlerschaft vorliegt. Bisher schildern viele ihre „Nicht-Erfahrung“ mangels Kontaktfreudigkeit der Paydirekt- und Bankenseite 🙁

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4 Gedanken zu „Paydirekt: Preise und Probleme

  1. Also ganz ehrlich, paydirekt *darf* kein Erfolg werden. Sonst haben wir in 10 Jahren die selbe Situation wie in den Niederlanden mit iDEAL: Als Nicht-Niederländer ist es so gut wie unmöglich in einem Niederländischen Onlineshop zu bestellen, weil in den meisten Shops lediglich mit iDEAL bezahlt werden kann. Tschüß internationale Kundschaft. Das kann doch von keinem Händler gewollt sein.
    Und falls überhaupt alternative Zahlungsmittel angeboten werden, sind diese oft mit saftigen Aufschlägen versehen (bis zu 10€ habe ich schon gesehen).

    Und auch ausländische Händler werden durch solch national begrenzten Bezahlsysteme abgeschreckt in den nationalen Markt einzutreten. Bis zum heutigen Tage gibt es z.B. in den Niederlanden kein Amazon so wie wir es hier kennen. (Es werden lediglich eBooks angeboten. Und das auch erst seit etwas mehr als einem Jahr).

    Ich sage nicht das iDEAL oder paydirekt per se ein schlecht sind. Aber ich frage mich wie man im Jahre 2016 noch auf die Idee kommen kann ein rein nationales Bezahlsystem zu entwickeln. Der einzige Grund ist eigentlich: Protektionismus.

  2. Ich verstehe diese Insellösung nicht. Es gibt seit Jahren PayPal. habe und nutze es. Paydirekt ist in meinen Augen zum Scheitern verdammt. Viel wichtiger wäre es endlich flächendeckend kontaktlos und Apple Pay einzuführen. Auch kostenlose Handy zu Handy Zahlungen müssen her (kann Apple Pay leider Noch nicht) – derzeit begnüge ich mich mit einer kontaktlosen Kreditkarte und kaufe damit im Ladengeschäft und im Internet ein. Bei dubiosen Internetläden (oder voraussichtlichen einmaligen Einkaufstouren mit Paypal). Es wäre intelligenter wenn die Filialbanken ihre energie und Gelder sinnvoller einsetzen würden. Bin aber wegen der Kosten der Filialbanken bereits zu einer direktbank geflohen.. (Die kein Geld für paydirekt verbrennt)

  3. Es ist tatsächlich die Frage, ob wir erstens dieses zusätzliche Zahlsystem brauchen und ob zweitens eine deutsche Eigenentwicklung zielführend ist. Erste spontane Reaktion: nein zu beidem. Zum Schluss noch meine Traumvorstellung.

    Ich persönlich habe beim Internetshopping seit Jahren kein Bedürfnis nach einer zusätzlichen Zahlmethode. Jeder Shop bietet doch mehrere an. Paypal nutze ich gerne bei Shops, wo ich meine Kreditkartendaten nicht unbedingt hinterlegen möchte.

    Beim Thema „deutsche Eigenentwicklung“ bin ich mir unsicher. Einerseits kann es nicht schaden, solche Dinge in nationaler Hand zu behalten. Allerdings ist die Innovationskraft, gerade auch weil alle Banken im Boot sitzen, nicht sehr groß. Zum Beispiel ist das kontaktlose Zahlen mit Mastercard/Visa oder mit den Debitkarten Meastro/V-Pay längst möglich. Die deutsche Girocard bekommt das nicht hin. Außer der Fehlkontruktion Girogo ist bis jetzt nicht viel passiert.

    Der direkte Konkurrent Paypal ist Paydirekt um Jahre voraus. Die meisten Shops bieten die Methode an und viele Kunden haben schon ein Paypal-Konto. Paydirekt ist eigentlich eine gute Idee, nur leider viele Jahre zu spät auf den Markt gekommen. Die direkte Verknüpung mit dem Girokonto, ohne aber seine Kontodaten aus den Hand zu geben, ist einfach und sicher. Bei Paypal stört mich, dass es ein zusätzliches Konto ist, dass immer aufgeladen werden muss (auch wenn das automatisch geht). Und gerade beim Thema Sicherheit kann Paydirekt zumindest gegenüber Kreditkarten punkten.

    Wenn meine Sparkasse Paydirekt endlich anbietet und der Registriervorgang einfach ist, werde ich es testen. Falls überhaupt ein Online-Shop mitmacht, bei dem ich etwas kaufen möchte.

    Meine Traumvorstellung: Eine Art internationales Paydirekt für Kreditkarten. Damit wären viele Probleme auf einmal gelöst.
    1. Kreditkartemissbrauch wäre nicht mehr möglich, da zum Bezahlen nicht die Kartennummer und diese unsichere Prüfnummer ausreicht, sondern immer ein Login evtl. mit Token nötig ist.
    2. Das zusätzliche Konto wie bei Paypal entfällt, da alles über das Kreditkartenkonto abläuft. Ich bin Minimalist 😉
    3. Es ist international und dann wahrscheinlich in den allen Shopsystemen schon integriert. So könnten schnell sehr viele Shops mitmachen.
    4. Offline und Online das gleiche Konto für mehr Überblick.

  4. Pingback: FinTech Podcast #044 – Robo Advisors 2.0 mit Liqid und Scalable Capital – Paymentandbanking.com

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