„Payment als Infrastrukturleistung zu Selbstkosten“

Ulrich Binnebößel, Zahlungsverkehrsexperte und Geschäftsführer im Handelsverband HDE

Zum Beitrag „Harte Zahlen zum Zahlen“ hat Ulrich Binnebößel einen Kommentar verfasst, der sich mit den aktuellen Fragen „Warum kleben plötzlich überall ApplePay-Akzeptanz-Aufkleber (AAA)?“, „Welches europäische Zahlungsverfahren könnte den GAFA trotzen hat Zukunft?“ und „Was lernen wir aus der Bundesbank-Studie zu Barzahlungskosten?“ beschäftigt. Den Kommentar veröffentlicht BargeldlosBlog im Folgenden als Gastbeitrag und willkommenen Diskussionsbeitrag:

Zu den Hintergründen einzelner Unternehmen lässt sich nur schwer etwas sagen. Ich frage mich allerdings auch, warum man an immer mehr Kassen das ApplePay-Logo findet. Eigentlich ist es doch kein Zahlungssystem und aufgeklärte Apple-User sollten wissen, wo sie mit ihren virtuellen Karten in der Wallet zahlen können.

Ich denke jedenfalls, dass Apple dies gerne sieht und es aus Gründen unterstützt. Vielleicht zielt man gerade auf bisherige Nicht-Nutzer um zu zeigen, dass sich ein Wechsel zum Apple-Gerät lohnt, dessen Logo so oft gesehen wird. Vielleicht auch ein Zukunftsinvest, um in einem nächsten Schritt ein echtes Zahlungssystem aufzusetzen. ApplePay dann im wahrsten Sinn des Wortes, warum nicht? Fehlende Bankenlizenz und Ferne vom Kerngeschäft sind sicher keine Argumente. Schließlich kann man auch schon lange Guthaben auf sein Konto für Einkäufe im App-Store und iTunes laden. Wir können jedenfalls gespannt sein, wie Apple seine Präsenz im Payment-Umfeld aufbauen will.

Der Handel bietet, was der Kunde verlangt

Wie auch immer es kommt, der Handel wird anbieten, was Kunden verlangen. Und aktuell sind mit der Kontaktlos-Akzeptanz die Hausaufgaben erledigt. Etwaige Lücken in der Kartenakzeptanz werden derzeit geschlossen, wo immer es kalkulatorisch darstellbar ist. Und mit steigender Verbreitung wird mobiles Bezahlen auch als Kommunikationskanal für den Handel interessant.

Payment als Infrastrukturleistung zu Selbstkosten

Auf Sicht sollten wir Payment als Infrastrukturleistung zu Selbstkosten sehen. Damit können wir im Hinblick auf globale Player alternative Abwicklungsprozesse bieten, auf die monetarisierbare Mehrwertdienste aufgesetzt werden können.

Ich glaube immer noch an ein neutrales digitales Ökosystem, das auch dem Endkunden etwas zu bieten hat. Kreditwirtschaft und Akzeptanzseite sollten gemeinsam (!) eine Struktur dafür entwickeln, immer mit Blick auf ihre Endkunden. Und wenn es die Akteure nicht alleine schaffen, brauchen sie einen Schubs vom Gesetzgeber.

Bemerkungen zur Bundesbankstudie

Zur Bundesbankstudie: die Zahlen sind sicher nur ein Ansatzpunkt für den Status Quo vor der Kontaktlos-Zeit. Allerdings könnte jeder durch grobe Halbierung des Faktors „Kassierzeit“ eine Anpassung vornehmen.

Dennoch bleibt es eine Durchschnittsbetrachtung, die je Unternehmen abweichen dürfte. Darüber hinaus werden zum Beispiel Girocard und ELV meist nicht in den gleichen Betragsregionen angewandt, so dass sich zwar der Durchschnitt gleicht, die einzelne Transaktion aber durchaus mal mit Girocard und mal mit ELV günstiger abgewickelt werden kann.

Ähnliches gilt für den Faktor „Kassierzeit“, der insbesondere bei kleineren Geschäften nicht unbedingt kostenrelevant ist. Man könnte beinahe im Gegenteil sagen, dass der Kassier- und Einpackvorgang für ein nettes Kundengespräch genutzt werden will. Da kommt es nicht auf die Sekunde an.

Bargeld wiederum spielt insofern eine besondere Rolle, da hier hohe Fixkosten anfallen, die nur schwer durch einen Rückgang der Barzahlungen vermeidbar sind. Erst bei Verzicht käme man zu echten Einsparungen, was aber aus guten Gründen derzeit keine echte Option ist.

Insgesamt bietet die Studie aber eine neutrale, ausgewogene Grundlage. Und damit gute Diskussionsansätze, wie die letzten Wochen gezeigt haben.

1 thought on “„Payment als Infrastrukturleistung zu Selbstkosten“

  1. „Bargeld wiederum spielt insofern eine besondere Rolle, da hier hohe Fixkosten anfallen, die nur schwer durch einen Rückgang der Barzahlungen vermeidbar sind. Erst bei Verzicht käme man zu echten Einsparungen, was aber aus guten Gründen derzeit keine echte Option ist.“

    Gute Gründe? Es gibt keine guten Gründe dafür. Nur dagegen.
    So etwas kann nur Aldi oder ein Konkurrent anstoßen. Erster Schritt: separate Bargeldkassen (nur eine pro Markt), damit maximale Diskriminerung des Zahlungsmittels. Zweiter Schritt: Komplette Abschaffung des dann beim Kunden negativ besetzten Bargelds. Und schon ist man am Ziel.

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