Wirecard: „Dafür habe ich noch keine Erklärung“

Will nichts gewusst haben: Ex-Wirecard-Vorstandschef Dr. Markus Braun als Zeuge vor dem Wirecard-Untersuchungsausschuss. (Foto: Bundestag / Simone M. Neumann)

Seit mehr als 15 Jahren beobachte ich die Payment-Welt mal aus der Nähe, mal aus der Distanz und schreibe hin und wieder etwas dazu. Über die Wirecard AG habe ich noch nie einen Satz geschrieben, nur einen Tweet im Jahr 2019, als Wirecard Kreditkarten-Acquirer von Aldi wurde.

Natürlich habe ich das Buch „Bad Company“ des ehemaligen Wirecard-Managers Jörg Leogrande verschlungen und natürlich habe ich mir die Podcasts von PaymentandBanking zu Wirecard angehört und lese zig Artikel zum Untersuchungsausschuss des Bundestages. Man will doch endlich erfahren, wie das funktionieren konnte – vom Schmutzfinken der Branche zum Dax-Konzern und zurück. Meine Zwischenbilanz zum Wirecard-Wahnsinn lautet allerdings wie die des FDP-Abgeordneten Dr. Florian Toncar im jüngsten FinTech-Podcast: „Dafür habe ich noch keine Erklärung“. Es sind noch viele Fragen offen.

Ein paar persönliche Bemerkungen zum Buch, zum Ausschuss und zur Wirecard AG.

Meine Erinnerung an Wirecard reichen zurück in die Zeit als B+S Card Service und Concardis noch alljährlich Pressekonferenzen veranstalteten. Irgendwann – wohl 2006, 2007 oder 2008 – fragte ich mal einen der Geschäftsführer beim Kaffee nach der PK, was denn von diesem Unternehmen Wirecard zu halten sei, ob das ein ernsthafter Wettbewerber sei. „Vornehmlich Hochrisiko-Geschäft, Halbseidenes. Wenn mal eine Airline hops geht, gehen die gleich mit“, hieß damals die vornehme Erklärung. Der am Tisch stehende Manager eines Kreditkartenunternehmens wurde später unter vier Augen und natürlich „unter 3“ deutlicher: „Gambling und Porno, das wollen sie gar nicht wissen. Wenn bei uns die Ampeln zweimal auf rot stehen, dann fahren die los. Solche Transaktionen sind das“, so der Mann, erkennbar angewidert. Marcus W. Mosen, später GF von Easycash, Ingenico und dann Concardis, erinnert sich im FinTechPodcast #272 an das Jahr 2002 und einen unfreiwilligen Einblick in ein Charge Back-Problem beim Wirecard-Vorläufer ebs: „Der Kern der Assets lag im Highrisk-Geschäft und damit meine ich nicht Airlines“, unterstreicht Mosen im Podcast.

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Die entsprechenden Gerüchte und Mutmaßungen hafteten Wirecard immer an. Das war ein Grund, warum ich nie etwas über das Unternehmen schrieb. Man wusste nie so genau, was machen die in Aschheim eigentlich? Ist das ein seriöses Unternehmen? Wirecard spielte irgendwie auf einem anderen Spielfeld. Mit der Payment-Welt, die ich in den letzten 15 Jahren hier und da kennengelernt habe, hatte Wirecard und Wirecard-Leute kaum bis keine Berührung. Später kamen dann noch die ganzen Berichte über fragwürdige Bilanzierungsthemen hinzu. Heute ist klar: Wirecard spielte noch auf ganz anderen Spielfeldern, in einer anderen Liga, mit ganz eigenen Regeln. Aber welches Spiel gespielt wurde, wer die Figuren rückte, wer die Bank hält, und ob letztlich jemand gewonnen hat, ist mir bislang unklar.

Als ausgerechnet Aldi Nord und Aldi Süd im Juli 2019 erklärten, die (noch junge) Kreditkartenabwicklung in die Hände der Wirecard AG zu geben, dachte ich im ersten Moment, Wirecard will das eigene Risiko-Portfolio für die PSD2-Anforderungen aufhübschen und hat sich den Discounter als Kunden eingekauft, deshalb mein damaliger Tweet (siehe Bild). Ahnungslos, wie ich war. Jedenfalls blieb ich skeptisch genug, um getreu dem unjournalistischem Motto zu verfahren: Worüber man nichts weiß, darüber muss man schweigen. Und schrieb weiterhin nichts über die Wirecard AG.

Das Buch „Bad Company – Meine denkwürdige Karriere bei der Wirecard AG“

Das Buch von Jörn Leogrande, der 2005 bei Wirecard im Marketing ein- und 2017 zum global „Executive Vice President Innovation“ aufstieg, trägt nicht wirklich zur Aufklärung bei. Ein wenig schlauer macht es dennoch. Leogrande gehörte zum Inner Circle, nennt die untergetauchte Schlüsselfigur des Wirecard-Skandals Jan Marsalek, „Mein Jan, mein Vorstand, manchmal so etwas wie mein Mentor, bisweilen auch mehr als nur Chef“. Aber die Fragen etwa: „Warum läuft das hochprofitable Third-Party-Geschäft nicht auf den technischen Wirecard-Systemen?“ oder „Warum machen die Kunden mit dem höchsten Transaktionsvolumen den geringsten Umsatz?“, stellt Leogrande selbst (erst) auf Seite 222 – und sie bleiben offenbar auch für ihn ungeklärt, jedenfalls verrät er den Lesern die Antworten nicht.

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Der Spiegel-Artikel zum Buch, der Film zum Skandal kommt sicher auch noch. What a Wirtschaftskrimi.

Dennoch liest sich das Buch flott in einem Rutsch durch. Man erfährt viel Staunenswertes über Business-Bling-Bling erster Güte – von der schwarzen Centurion-Karte bis hin zu Tabletten-Cocktails für High Performer, von Champagner Rosé in Maßkrügen auf dem Münchener Oktoberfest und natürlich dem P1, bis hin zum Marina Bay Sands Hotel in Singapur mit Wagyu-Steaks, serviert von Wolfgang Puck und so weiter und so fort – Vertu-Handyshops hatte man ja eigentlich schon wieder vergessen. Das höchste der Gefühle offenbar: Die Mittagsmaschine der Singapore Airlines von München Richtung Asien, Business Class auf den Plätzen A bis K. Dem blauen Button auf dem Buchcover „Geld, Gier und Größenwahn“ möchte man „Geltungssucht“ hinzufügen. Das waren offenbar die vier Trigger, die so unterschiedliche Typen wie Dr. Markus Braun (CEO), Jan Marsalek (COO), Burkhard Ley (CFO), Oliver B. und Henry O. Sullivan & Co. miteinander verbanden.

Aber man fragt sich bei der Lektüre von „Bad Company“ ständig, was war denn nun das Kern- und was das Schattengeschäft? Wer sorgte für das Grundrauschen, das den Dax-Konzern am Laufen hielt? Waren die 5695 von den 5700 Mitarbeiter, die laut Leogrande das „tatsächliche Business“ umsetzten, nur die Bewohner eines potemkinschen Dorfs hinter dessen Kulissen im großen Stil Geldwäsche, Schein(kredit)geschäfte oder was auch immer abgewickelt wurden?

Ein erster Bruch im gut funktionierenden Geschäftsmodell „Schmuddel und Schamlos“, so erfahren wir, war der „Unlawful Gambling Act“ mit dem die Bush-Administration 2007 die Online-Casinos in den USA trocken legte. Am „Black Friday“, den 15. April 2011, gingen die Lichter in den Online-Casinos und den virtuellen Pokerstuben der USA dann endgültig aus, das FBI sperrte die meisten Internetseiten und verfolgte die Betreiber. Es musste eine neue Wachstumsstory her für die Wirecard AG. (Irgendwie passend dazu: „The town will never be the same“ und der Schlusscoral der Matthäus-Passion).

Und dann wird es unübersichtlich, in der wahren Wirecard-Welt, aber leider auch für den Leser. Denn das Buch ist nicht chronologisch geordnet. Hier hätte ein Ghostwriter oder Lektor vielleicht doch etwas Ordnung reinbringen sollen. Auf Projekte wie „Horus“ (virtuelle Kreditkarte für klamme Kunden) folgen erste „Der Kaiser hat keine Kleider“-Posts auf Wallstreet-Online und ständig neue Mega-Projekte wie etwa der Versuch, mit der russischen Telefongesellschaft MegaFon Prepaid- und Kreditkarten unters Volk zu bringen und den russischen Markt zu erobern oder mit einer „maßgeschneiderten Kreditkarte“ für Facebook das ganz große Rad zu drehen. Added Value-Geschäft/Mehrwert-Services angefacht von Transaktionsdaten und einer Prise AI waren offenbar stets der Feenstaub für die Wachstumsstory, jedenfalls in den PPP-Slides von Leogrande.

Doch die Wolkenkuckucksheim-, Wunsch- und Phantasie-Projekte, die der Chef der globalen Produktentwicklung der Reihe nach seiten- und kapitelweise wie Seifenblasen aufsteigen und platzen lässt, können es allein doch wohl nicht gewesen sein, um Mitarbeiter, Investoren, Banken und Presse bei Laune zu halten und an der Nase herumzuführen. Oder doch?

Leogrande vermittelt den Eindruck, die Bodentruppen hätten stets ganz große Projekte in der Pipeline gehabt oder ihnen zumindest ernsthaft nachgejagt, während maßgeblich Jan Marsalek und seine sonderlichen Geschäftskumpanen in Asien eine Parallel- und Scheinwelt aufbauten, die immer größer und größer wurde. Wer aber mietete beispielsweise das Großraumbüro in Dubai, um den EY-Prüfern dort ein operatives Geschäft vorzugaukeln? Alles nur eine One-Man-Show?

Vision 2025: Das Internet vergisst nichts. Heute wissen wir, dass Wirecard keine Kleider anhatte. Vor nicht allzu langer Zeit, glaubten viele Geldgeber und Beobachter an das „Visionary Playing Field“.

Wenn auch Leogrande nichts davon mitbekommen haben will, dass in Wirklichkeit noch ein anderes Spiel gespielt wurde, dann kann man ja schon fast glauben, dass auch CEO Markus Braun, die Wirtschaftsprüfer von EY und die BaFin ahnungslos blieben. Und die Wirecard AG, so die Erzählung von Braun, selbst ein Opfer war.

Am Rande bemerkenswert im Buch: Für mich neu, dass die Systeme von IT-Systeme von Wirecard offenbar vom 16. Januar bis zum 9. Februar 2016 down waren. Wie kann das funktionieren in einem Unternehmen, das im Kerngeschäft nur elektronische Transaktionen von links nach rechts schiebt?

Fazit zum Buch: Man erhält vielleicht eine „authentische Innenansicht“, die der Autor im Prolog verspricht. Eine Erklärung der Machenschaften, die sich hinter den Kulissen des Dax-Konzerns abgespielt haben müssen, erhält der Leser nicht.

Der 3. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode

Vielleicht bringt uns der Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages weiter. Der Präsident der BaFin Felix Hufeld und seine Vizepräsidentin Elisabeth Roegele mussten bereits aufgrund der Arbeit des 3. UA der 19. WP ihre Hüte nehmen. (Ohnehin völlig unklar, wie jemand dessen Name auch nur im Dunstkreis der CumEx-Affäre genannt wird, Vize-Präsidentin der Finanzaufsicht werden konnte). Ebenso musste der Leiter der Wirtschaftsprüferaufsicht (Apas) Ralf Bose gehen, der offenbar munter mit Wirecard-Aktien spekulierte (nicht weniger unfassbar) und der Deutschland-Chef von EY Hubert Barth wurde „versetzt“.

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Rund 45 Zeugen, von Markus Braun über Karl-Theodor zu Guttenberg bis hin zu den Wirtschaftsprüfern von EY, haben die Abgeordneten bisher vernommen. Die EY-Prüfer werden wohl schon im März noch einmal antreten müssen, wie der FDP-Abgeordneten Dr. Florian Toncar im jüngsten FinTech-Podcast von PaymentandBanking berichtet. Der Bundesgerichtshof hat in einer Grundsatzentscheidung geklärt, dass die Wirtschaftsprüfer aussagen müssen und sich nicht auf eine Verschwiegenheitspflicht berufen können.

Das einstündige Gespräch im FinTech-Podcast mit Toncar kann man nur jedem wärmstens empfehlen, der sich über den Ermittlungsstand des Ausschusses und/oder die Arbeit eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses informieren will. Absolut hörenswert!

Auch für Toncar stellen sich noch eine Reihe von Fragen, etwa an die EY-Prüfer: „Es ist nicht erklärlich, warum EY die Bilanzen bis 2018 immer testiert hat.“ Aber auch in Bezug auf das Agieren von BaFin, Bundesfinanzministerium (BFM) und Staatsanwaltschaft München stellen sich dem FDP-Mann noch Fragen: „Ich bin noch nicht soweit, sagen zu können weshalb die Behörden so gehandelt haben“, räumt der Abgeordnete ein. „Da sind wir noch nicht zufrieden“.

Klar ist für Toncar jedoch schon jetzt, wer die politische Verantwortung trägt: „Olaf Scholz wäre gut beraten, sich von diesem Staatssekretär zu trennen“, sagt er und meint StS Jörg Kukies. Diesem fehle es nach den Vorgängen rund um BaFin und Wirecard die notwendige „Glaubwürdigkeit und Autorität“, um sein Amt weiter auszuüben, meint Toncar. Laut der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) habe es in Sachen Wirecard einen „noch nie dagewesenen Einfluss“ des BMF auf die BaFin gegeben, so dass jeder Fehler der Behörde dem Staatssekretär zugerechnet werden müsse. „Kukies hatte eine Standleitung zur BaFin in Sachen Wirecard“, urteilt Toncar.

Dass die BaFin in Sachen Wirecard eklatante Fehler beging, daran der FDP-Politiker ebenfalls keinen Zweifel und meint damit nicht etwa die unerklärlichen Aktienkäufen von BaFin-Beamten. Die Bafin habe das umstrittene Leerverkaufsverbot zugunsten der Wirecard „gegen alle Widerstände durchgepaukt“. Dazu habe die Behörde – laut Toncar – sogar „die ESMA mit irreführenden Angaben versorgt.“ Es sei der fälschliche Eindruck erweckt worden, die Bundesbank habe keine Bedenken gegen das Verbot gehabt.

Starker Tobak oder wie Toncar so treffend feststellt: „Staatsanwaltschaft München und BaFin sind in den Ring gestiegen und haben mitgeboxt – aber auf der falschen Seite“.

Interessant ist im Podcast auch die Passage, in der die Gesprächsrunde versucht, den Motiven der Handelnden bei Wirecard nachzuspüren. Toncar sieht angesichts von Treuhandgeldern im Milliardenvolumen eine „enorme kriminelle Energie“ am Werk. Wie konnte es dazu kommen, dass für das Jahr 2018 noch Sicherungsgelder für Kreditkarten-Transaktionen im Wert von 1,1 Mrd. Euro testiert wurden, die 2019 sprunghaft auf 1,9 Mrd. Euro angewachsen sein sollen? „Da hätte man ja die Kreditkarten-Transaktionen ganzer Volkswirtschaften alleine abwickeln müssen. Dafür habe ich keine Erklärung“, bilanziert der FDP-Politiker. „Das ist die Inplausibilität in der Bilanzierung von Wirecard. Darauf hätte man kommen können“. Auch und gerade als international tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Wenn der Schneeball eines Schneeballsystems immer größer wird, kann man ihn irgendwann nicht mehr einfach fallen lassen“.

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„Es gehörte zur DNA dieses Unternehmens, Zahlungsströme zu verschleiern“, Dr. Florian Toncar, parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion und Wirecard-Aufklärer.

Ende 2018, das Jahr für das EY noch ein Testat ertteilte, lag das Geld angeblich noch in Singapur. 2019 wurde es dann rätselhafterweise auf zwei Regionalbanken auf den Philippinen transferiert (oder eben auch nicht), mit einem fernsehbekannten Familienrechtsanwalt als Treuhänder.

„Da brannte bei Wirecard schon der Baum“, urteilt Toncar heute. BTW: Am 3. September 2019 setzte sich der Lobbyist Karl-Theodor zu Guttenberg bei Angela Merkel für die Wirecard AG ein, bevor die Kanzlerin nach China aufbrach. Die Rolle von Lars-Hendrik-Roeller, Abteilungsleiter Wirtschaftspolitik im Kanzleramt und Adressat der Guttenberg-Mail vom 3.9.2019, bedarf wohl auch noch mal einer näheren Betrachtung, wenn man Toncar so zuhört.

Die treibende Kraft bei den Umtrieben der Wirecard AG scheint jedenfalls Jan Marsalek gewesen zu sein, mutmaßt Toncar, nach rund 45 Zeugenvernehmungen und diversen Sachverständigenanhörungen im 3. Untersuchungsausschuss. Markus Braun versuche, sich als Opfer darzustellen. Dies erscheint dem parlamentarischen Aufklärer aber schon aufgrund seiner Stellung im Unternehmen als unglaubwürdig (faktisch Günder, machtbewusster Spiritus Rektor, größter Einzelaktionär, aktiver CEO). Aber auch, weil Braun und Marsalek persönliche Geschäfte in Millionenhöhe betrieben hätten. Wahrscheinlicher erscheint der Podcast-Runde eine nahezu mafiöse Struktur von gegenseitigen Abhängigkeiten der handelnden Personen und eben ein sich selbst verstärkendes Schneeballsystem, der immer größer wurde und letztlich irgendwann zerbrechen musste. Noch in 2019 sind laut Toncar in Summe 3 Mrd. Euro Fremkapital in das Unternehmen geflossen, am 25. Juni 2010 eröffnete das AG München das Insolvenzverfahren über die Wirecard AG.

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Guten Appetit: Offenbar gab es auch reale Transaktionen. Man beachtet das Datum.

Leider werden die Zeugenaussagen des Wirecard-Untersuchungsausschusses nicht gestreamt. Die Große Koalition wehrt sich gegen zu viel Öffentlichkeit, wie wir von Toncar erfahren. Es dürfte noch sehr spannend werden, etwa wenn die EY-Prüfer alsbald vor dem Ausschuss aussagen müssen. Vielleicht gibt es dann doch ein paar interessante Antworten auf die vielen Fragen, die sich in Sachen Wirecard AG noch stellen.

P.S.: Ich habe selbst mal gut 1 1/2 Jahr einen Untersuchungsausschuss im Bundestag begleitet. Beim sogenannten Plutonium-Ausschuss (1. UA. 13. WP) war ich im wissenschaftlichen Dienst des Bundestages (Ausschusssekretariat) tätig und habe danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Obmanns der SPD-Fraktion im Ausschuss gearbeitet („Büchsenspanner“). Im Brennpunkt des Plutonium-Ausschusses stand der damalige Geheimndienstkoordinator Bernd „007“ Schmidbauer. Wir haben aber nie mehr rausbekommen als der SPIEGEL in einer Titelgeschichte zum Plutonium-Schmuggel schon geschrieben hatte, bevor der Ausschuss eingesetzt wurde. Auch deshalb habe ich der Politik den Rücken zugekehrt und bin ich zum Journalismus gewechselt. 🙂

Update 16.4. und Einschub: Schmidbauer war am heutigen Freitag auch Zeuge im Wirecard-Ausschuss. Die BZ berichtet schön über seine bemerkenswerten und wunderlichern Aussagen. Entweder 007-Schmidbauer schmeißt immer noch gerne die ganz große Nebelkerzen oder der Fall Wirecard hat noch ganz andere, tiefere Eeben. Zitat: „In wenigen Jahren werden wir feststellen, dass wir die Falschen gejagt haben. Das liegt daran, dass man an die großen Kaliber nicht rankommt.“).

Mit dem Plutionium-Ausschuss verglichen hat der Wirecard-Ausschuss jedenfalls – Stand heute – schon eine ganze Menge erreicht. Glück auf beim Graben!

So, jetzt habe ich doch etwas mehr als nur einen Satz über Wirecard geschrieben. War ein regnerischer Samstagvormittag.

Kommentare

Ich füge hier zwei Kommentare ein, die auf LinkedIn unter dem entsprechenden Post zum Blogbeitrag eingingen. Heutzutage geht ja zwischen all den Kanälen, die man so bespielen kann/muss leicht etwas verloren. Und das wäre in diesem Fall doch wirklich zu schade:

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