Zwei Faktor Unsinn

Auch als überzeugter Europäer könnte man aktuell mal wieder am Brüsseler Regulierungsunfug verzweifeln. Mit der EU-Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD2) wollte der europäische Gesetzgeber Wettbewerb und Innovation in den Zahlungsverkehrsmarkt bringen.

Stattdessen droht ein bürokratisches Monster zu entstehen, mit drastischen Auswirkungen auf Online-Bezahlverfahren und den dahinterstehenden Anbietermarkt. Am Ende wird der Verbraucher (1) die Chose voraussichtlich über höhere Kontoführungsgebühren bezahlen und (2) womöglich mehr Aufwand bei Zahlungen im Internet betreiben müssen. Als Nebeneffekt dürfte die PSD2 die Konzentrationstendenz im E-Commerce befeuern.

Ob tatsächlich mehr Wettbewerb entsteht, ist dagegen derzeit völlig ungewiss. Vom „Better Regulation“-Versprechen, das sich die Junker-Kommission auf die Europa-Fahne geschrieben hat, ist das Regelwerk jedenfalls weit entfernt. Doch der Reihe nach. Weiterlesen

Neuer EBA-Draft zur PSD2

Ein Faktor ist nicht genug: Die PSD2 soll die Zwei-Faktor-Autorisierung bringen.

(Vorbemerkung: Dieser Beitrag wurde nach Veröffentlichung des „finalen Entwurfs“ der EBA aktualisiert, siehe am Ende).

Dem Brüsseler Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung ist offenbar der neue EBA-Entwurf zu den Regulatory Technical Standards (RTS) für die Zwei-Faktor-Autorisierung im Rahmen der PSD2 auf den Tisch geleakt worden. „EU-Bankenaufsicht blockiert strengere Regeln bei Online-Zahlungen“, titelt die SZ vergangene Woche.

Wenn die Informationen im Artikel stimmen, nimmt die EBA Abstand von ihrem zur Konsultation gestellten Entwurf. Ursprünglich wollte die Europäische Bankenaufsicht für jede elektronische Zahlung über 10 Euro eine sogenannte Zwei-Faktor-Autorisierung (2FA) als Sicherheitsüberprüfung vorschreiben. Das hätte die ePayment-Welt in Europa auf den Kopf gestellt und das Zahlen im Internet für Konsumenten sehr unbequem gemacht, wie ich in diesem Blogpost kritisierte. Doch davon ist nun offenbar keine Rede mehr. Weiterlesen

BargeldlosBlog im FinTech Podcast

BargeldlosBlog zum 2. Mal zu Gast im FinTech Podcast.

Die 100 Fragen an die Payment-Branche gibt es jetzt auch auf der Tonspur. Im FinTech Podcast #85 diskutieren Jochen Siegert, Kilian Thalhammer und ich über die aktuellen Fragen im Zahlungsverkehr. Wir haben versucht, ein paar Antworten und Ausblicke zu geben – insbesondere zu den Themen PSD2, Girocard-Gebühren, MIF-Regulierung, Marktkonzentration sowie zu m- und e-Payment.

Zum ohnehin stets empfehlenswerten Fintech Podcast des Teams von „Banking and Payment“ geht es hier.

Bei der Gelegenheit möchte ich noch auf zwei aktuelle Dokumente für Freunde der Kartenzahlung aufmerksam machen. Weiterlesen

100 Fragen an die Payment-Branche

100 FragenWas bringt das Jahr 2017 der Payment-Branche? Keine Ahnung, aber Fragen gibt es genug. Statt eines Blicks in die Glaskugel daher mal wieder: Fragen, Fragen, Fragen. 100 – wahllose und nicht immer ganz ernstgemeinte – Fragen auf die der Payment-Markt in den nächsten zwölf Monaten eine Antwort geben wird – oder auch nicht. Los geht´s: Weiterlesen

EC-Karten-Kartell kommt vor den Kadi

Kartellschaden: Hausfeld zieht gegen Girocard-Gebühren ins Feld. (BamS)

Jahrzehntelang kassierten die deutschen Banken für Zahlungen mit der Girocard (früher: EC-Karte) eine gemeinsam festgelegte Gebühr von 0,3 Prozent vom Umsatz von Händlern, Gastronomen, Hoteliers, Tankwarten oder wer auch immer die Kartenzahlung entgegennahm. Das Bundeskartellamt schaute jahrelang tatenlos zu, obwohl die EU-Kommission und andere nationale Kartellbehörden längst gegen gleich gelagerte „Multilateral Interchange Fees“ (MIF) vorgingen. Erst im Jahr 2014 rang die Bonner Kartellbehörde der Deutschen Kreditwirtschaft eine Selbstverpflichtung ab, gemäß der die Girocard-Gebühren bilateral verhandelt werden.

Nun präsentiert die deutsche Dependance der US-amerikanischen Kanzlei Hausfeld den deutschen Banken offenbar die Rechnung für ihr Gebühren-Kartell. Die BamS berichtet von einer „Milliarden-Klage“ gegen die Herren des Girocard-Verfahrens.
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Best of BargeldlosBlog 2016

Unterschreibe ich: Kontaktlose Kartenzahlungen – hier nicht im Bild – werden 2017 ein großes Thema.

Die Bilanz von BargeldlosBlog für das vergangene Jahr. Ungeschönte Zahlen zu den Top10-Blogposts und dem ganzen Rest.

Der meistgelesene Beitrag in 2016 war „Kontaktlos kommt“ mit 4.793 Lesern. Die kontaktlosen Kartenzahlungen werden in diesem Jahr sicher auch ein bedeutendes Thema in den Publikumsmedien werden, wenn die ersten großen Händler „Girocard kontaktlos“ freischalten und endlich auch die EC-Karte im Vorbeiwinken bezahlen kann. Deshalb empfehle ich vorsorglich schon mal den Artikel „Die Sicherheit ist kein Problem des Kunden“ zu den angeblichen Gefahren der NFC-Technologie.

In der Lesergunst auf Platz Zwei der „Most read“-Liste landete ein Dauerbrenner von BargeldlosBlog: Weiterlesen

EU will eigene Payment-Welt erschaffen

Sicherheit: Die PSD2 soll Mindeststandards für elektronische Zahlungen definieren.

Die Europäische Kommission hat den „Digitalen Binnenmarkt“ ins Zentrum ihrer politischen Agenda gerückt und steht der Digitalen Wirtschaft deshalb nun beständig im Weg. Es ließen sich diverse Belege für diese Zuspitzung anführen – von der Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) bis hin zum geplanten Geoblockingverbot. Zuständigkeitshalber beschränkt sich BargeldlosBlog auf ein abschreckendes Beispiel aus der Welt des Zahlungsverkehrs: Die Novellierung der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2).

Die PSD2 sollte den Wettbewerb im Payment-Markt befördern. Stattdessen droht das Bezahlen im Internet nun für alle komplizierter zu werden. Wenn sich die Vorstellungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) durchsetzen, wäre es mit dem „One-Click-Shopping“ in Europa bald vorbei – und nicht nur das. Weiterlesen

Zahlungen mit EC-Karten werden nicht komplizierter

Esso

Glücksspiel: Wer bei Esso mit der Sparkassen-Karte zahlt, bekommt ein Rubbellos. Kann man so machen…

Entgegen anders lautender Meldungen wird das Bezahlen mit der EC-Karte nicht komplizierter. Erstens, weil es gar keine EC-Karte mehr gibt. Die Debitkarte der Deutschen Kreditwirtschaft heißt seit 2007 „Girocard“. Zweitens, weil sich die unkomplizierte BecN-Lösung im Markt durchsetzen wird.

tl;dr: Ein neues Mastercard-Bulletin beschreibt Best Practices-Grundsätze für die Transaktionsperformance. Nimmt man das Papier beim Wort, müsste MC den Widerstand gegen die BecN-Lösung aufgeben.
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Vzbv unterliegt im Streit um Sofortüberweisung

Sofort in Deckung: Verbraucherschützer greifen an.Siege feiern, Niederlagen verschweigen. Das scheint das Motto des Verbraucherzentrale Bundesverbands (Vzbv) im Rechtstreit um Sofortüberweisung als einziges kostenfreies Zahlverfahren in Onlineshops zu sein. Ich hielt bereits die Klage für verfehlt, die nun zu Recht vom Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt zurückgewiesen wurde. Aber auch die Kommunikationspolitik der Verbraucherschützer in der Sache ist fragwürdig. Weiterlesen

„Die Sicherheit ist kein Problem des Kunden“

BVR Kontaktlose Kartenzahlung

Tap&Go: Kontaktlose Kartenzahlungen sind auf dem Vormarsch. (Foto: BVR)

Die gute alte EC-Karte (seit 2008: „Girocard“) erhält eine neue Fähigkeit: Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken rüsten neu ausgegebene Girocards mit der NFC-Technologie für kontaktloses Bezahlen an der Kasse aus. Nach und nach werden sämtliche Bankkarten der beiden Institutsgruppen berührungsfrei im Vorbeiwinken Bezahlen können. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) hat sich auf einen gemeinsamen technischen Standard für das „Girocard kontaktlos“-Verfahren geeinigt.

Manche sagen, „wurde aber auch Zeit“ – angesichts der Verbreitung die kontaktlose Kartenzahlungen in anderen Ländern bereits genießen. Andere warnen vor angeblichen Sicherheitsrisiken der Nahfunktechnologie. Insbesondere in den Publikumsmedien geistern in letzter Zeit vermehrt Schauermärchen von en passant abgegriffenen Kartendaten herum (siehe nur hier oder hier oder hier).

Im Interview mit BargeldlosBlog räumt Matthias Hönisch, Head of Card Business Unit beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), mit den Spukgeschichten rund um NFC-Karten auf und gibt Einblicke in die Kartenstrategie der Genossen. Weiterlesen

Don´t panic, Mastercard

Kartengebühren unter Druck.

Mastercard ist mit einer Sammelklage konfrontiert.

Frühstückslektüre heute: „Milliarden-Schadenersatzklage gegen Mastercard“. So übertiteln Handelsblatt und Spiegel Online eine Agenturmeldung – und dem folgt dann wohl auch der ganze Rest der Journaille. 16,7 Mrd. Euro Schadenersatz verlangt den Berichten zufolge eine US-Kanzlei vor einem Londoner Gericht von der Kreditkartenorganisation.

Es soll die größte Schadenersatzklage sein, die jemals in Großbritannien anhängig gemacht wurde. Der Haken: Es handelt sich um eine Sammelklage für britische Verbraucher. Mehr als die heutigen Schlagzeilen wird von der Klage daher wohl auch nicht übrig bleiben.  Weiterlesen

Arnulf Keese wagt neues Kapitel

ArnulfKeese

Ex-PayPal-Deutschlandchef Arnulf Keese heuert bei e.Ventures an.

…und wechselt zum Wagniskapitalgeber e.ventures. Keese steigt als General Partner ein und rückt im europäischen Team damit an die Seite von Andreas Haug, Christian Leybold und Bernado Hernandez, wie das Unternehmen in einer Presseerklärung mitteilt. Auch wenn BargeldlosBlog im Grunde kein Forum für Personalmeldung ist, für den langjährigen PayPay-Chef Deutschland/Österreich/Schweiz mache ich gerne eine Ausnahme. Der 49-jährige Physiker kennt die ePayment- und eCommerce-Welt von innen wie hierzulande nur wenige – und er ist ein Quer- und Vordenker mit spannenden Thesen und interessanten Gedanken. Mit BargeldlosBlog sprach Keese über Venture Capital, Trends und Ideen. Weiterlesen

MIF-Regulierung wirkt

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ibi research durchleuchtet Payment-Kosten von Onlineshops. (Foto: EZB)

Die im Dezember 2015 in Kraft getretene europäische Interbankenentgelt-Verordnung zeigt Wirkung. Die Deckelung der sogenannten „Multilateral Interchange Fees“ (MIF) auf 0,3 Prozent vom Umsatz bei Kreditkarten und 0,2 Prozent bei Debitkarten verbilligt die Kartengebühren für Händler auch im eCommerce erheblich.

„Die gesamten Kosten sanken um 33 Prozent, die direkten Kosten sogar um 62 Prozent im Vergleich zur Situation vor der Regulierung“, bilanzieren die Zahlungsverkehrsexperten von ibi research die Ergebnisse ihrer (überarbeiteten) Studie zu den Gesamtkosten von Zahlverfahren in Onlineshops.

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Paydirekt auf Wiedervorlage

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Auch die Sparkassen können kaum Punkte für Paydirekt machen. (Grafik: Sparkassen)

Auch drei Monate nach dem (verspäteten) Einstieg der Sparkassen tut sich das Onlinezahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft Paydirekt nach wie vor schwer mit der Gewinnung von relevanten E-Commerce-Anbietern. Vom selbst gesteckten Ziel, die Hälfte der Top50-Webshops als Akzeptanten zu gewinnen, sind die Banken weit entfernt.

Neue Zusagen aus diesem erlauchten Kreis liegen lediglich von DocMorris und Mindfactory vor. Das geht aus einer internen Präsentation der Paydirekt-Projektgesellschaft der Sparkassen (GIZS) hervor, die BargeldlosBlog vorliegt und die eine Reihe weitere interessante Zahlen und Fakten zum Status quo von Paydirekt beinhaltet. Weiterlesen

Aldi akzeptiert Amex

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Das blaue Wunder: Amex bei Aldi. (Foto: Payback)

Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Vor ziemlich genau einem Jahr kündigte Aldi Nord per Pressemitteilung an, ab sofort kontaktlose Kartenzahlungen zu akzeptieren. Meine Einfältigkeit wollte damals noch nicht daran glauben, dass der Discounter-Primus auch Kreditkarten an der Kasse entgegennehmen werde. Und musste sich bereits eine Woche später eines Besseren belehren lassen. And if that weren´t enough: Seit vergangener Woche akzeptiert Aldi Süd nun auch noch American Express. Weiterlesen